Unsere Projektidee ist eine von 140 ausgezeichneten Revierpionier-Projekten 2026 zur Gestaltung des Strukturwandels im Mitteldeutschen Revier Sachsen-Anhalt.
Die Idee ist es, eine leerstehende Werkhalle temporär in einen offenen Produktions- und Lernort zu verwandeln, um zu demonstrieren, wie Städte Leerstand als Ressource nutzen können. Mit minimalem Mitteleinsatz entsteht ein übertragbares Modell für nachhaltige Stadtentwicklung ohne Neubau.
Das Projekt zeigt, wie Leerstand als zentrale Ressource im Strukturwandel genutzt werden kann. Durch die Weiternutzung des bestehenden Güterschuppens werden energie- und materialintensive Neubauprozesse vermieden und vorhandene Strukturen effizient genutzt. Kunst- und Kulturschaffende erhalten Zugang zu dringend benötigten Räumen und können produktiv arbeiten. Gleichzeitig entsteht ein offener Ort für die Stadtgesellschaft, der Teilhabe und Mitgestaltung ermöglicht.
Der eigentliche Mehrwert liegt im Modellcharakter: Das Projekt liefert konkrete Erkenntnisse zu Genehmigungen, Kosten und Nutzung, die auf andere Standorte übertragbar sind. Mit geringem Mitteleinsatz wird so ein skalierbarer Ansatz für nachhaltige Flächennutzung entwickelt, der Kommunen im Strukturwandel neue Handlungsspielräume eröffnet.
Beim Bebauungsplan Nr. 214 „Ausgleichs- und Ersatzfläche Alter Thüringer Bahnhof“ geht es um Grünflächen, öffentlich nutzbare Durchwegungen, Klimawirkung und Aufenthaltsqualität; zugleich soll der denkmalgeschützte ehemalige Güterschuppen erhalten und für Freizeit, soziale Nutzungen oder Gewerbe nach genutzt werden. Das passt gut zu einem kulturellen Testbetrieb — aber nur, wenn er nicht als dauerhafte Veranstaltungsstätte missverstanden wird.
Erweiterung des städtischen Areals Thüringer Bahnhofs, als Ausgleichs- und Kompensationsfläche für das RAW-Areal, muss ebenfalls auf Bahnflächen/Freistellung und Denkmalschutz verwiesen neu gedacht werden; im B-Plan-Entwurf zum „Urbanen Gebiet am Thüringer Bahnhof“ heißt es, das Gelände des ehemaligen Thüringer Bahnhofs sei noch gewidmete Bahnfläche und die Freistellung sei in Vorbereitung.
Ein Areal wird nicht lebendig, weil es im Plan grün ist. Es wird lebendig, wenn Menschen Verantwortung dafür übernehmen dürfen. Das städtisch beauftragte Erprobungs- und Beteiligungsformat für eine künftige öffentliche Fläche, kann auch Blaupause für das RAW-Gelände sein, welches als "großes Strukturwandel- und Innovationsquartier mit Arbeiten, Forschen, Gründen, Wohnen, Kultur, Gastronomie und Veranstaltungen" beschrieben wird.
Physische Zwischennutzung braucht dieselbe Übersetzungsarbeit wie digitale Infrastruktur: Vertrauen, Verfahren, realistische Nutzungsszenarien und einen moderierten Prozess. Wichtig zu klären ist also: Unter welchen Bedingungen eine kulturelle, gemeinwohlorientierte und rechtssichere Zwischennutzung des Geländes Alter Thüringer Bahnhof möglich ist.