Das Freiraumbüro Halle (Saale) führte im Frühjahr 2025 eine umfassende Umfrage unter gemeinwohlorientierten, kreativen und kulturellen Akteur:innen durch. Ziel war es, den aktuellen Bedarf an Arbeits-, Probe- und Veranstaltungsräumen zu erfassen und eine Datenbasis für zukünftige Raumstrategien und Förderentscheidungen zu schaffen.
Die Online-Befragung wurde zwischen März und Mai 2025 durchgeführt. Über online Medien, Presse, sowie Mailverteiler und Präsentation auf Veranstaltungen wurde auf die Umfrage aufmerksam gemacht. Insgesamt nahmen 105 Personen und Organisationen teil. Abgedeckt wurden die Bereiche Musik, Bildende Kunst, Darstellende Künste, Vereine & Initiativen, Bewegungsformen & Sport sowie sonstige kreative Akteur:innen.
Die Analyse zeigt deutlich, dass in Halle (Saale) ein erheblicher Bedarf an geeigneten, bezahlbaren und langfristig nutzbaren Räumen besteht. Besonders Musik- und Kunstschaffende sind von fehlenden Proberäumen, Ateliers und Präsentationsflächen betroffen.
Von den Teilnehmenden waren 46 % Einzelpersonen und 54 % Organisationen. Die größten Gruppen bildeten Vereine & Initiativen (38 %), Bildende Künstler:innen (18 %) und Musikschaffende (17 %). Die Mehrheit bevorzugt langfristige oder flexible Nutzungsmöglichkeiten. Außerdem wurde mehrfach der Wunsch nach mehr Barrierefreiheit geäußert, d.h. rollstuhlgerechte Zugänge zu Räumen und Unterstützung für bauliche und technische Anpassungen.
Die am häufigsten genannten Raumtypen waren Proberäume, Ateliers und Veranstaltungsflächen. Darüber hinaus besteht hoher Bedarf an Lagerflächen und multifunktionalen Gemeinschaftsräumen. 69 % der Befragten wünschen sich eine langfristige Nutzung (> 1 Jahr), während 47 % temporäre oder flexible Modelle bevorzugen. Hier spiegelt sich klar die Vielfältigkeit der Aktivitäten und der entsprechenden Bedürfnisse dafür wider. Bei vielen Befragten ist der Raumbedarf eine Mischung aus langfristigen Arbeits- und Lagerräumen und flexiblen temporären Nutzungen von größeren Räumen für Veranstaltungen unterschiedlichster Art, wie Ausstellungen, Konzerte, Workshops oder Versammlungen.
Zu den wichtigsten Ausstattungsmerkmalen zählen Heizung, Schallschutz, Internetzugang, Tageslicht und barrierefreie Zugänge. Musiker:innen betonten vor allem Schallschutz und Raumhöhe, Künstler:innen hingegen Lichtverhältnisse und Trockenheit.
Bevorzugt werden zentrale Lagen mit guter ÖPNV-Anbindung. Die durchschnittlich gewünschte Miete liegt zwischen 2€ und 6€ pro Quadratmeter. Etwa 33 % der Befragten gaben an, auf finanzielle Unterstützung angewiesen zu sein.
• Musikveranstaltende – Wunsch nach Finanzierung von Maßnahmen zur Reduzierung von Barrieren (Rampen, Blindenleitsystem etc.) und Verbesserung des Schallschutzes (städtischer Schallschutzfonds), sowie Sicherung bestehender Kulturstätten, welche als Mentoren und Rumgebende für junge/kleine Initiativen dienen.
• Musikschaffende & Bands – Fokus auf Proberäume, Schallschutz, stabile Mietverhältnisse.
• Bildende Kunst – Bedarf an Ateliers, Werkstätten, Trockenheit und Tageslicht.
• Darstellende Künste – Wunsch nach Bühnen, Probenräumen, Technik und Lagerflächen.
• Vereine & Initiativen – Bedarf an barrierefreien, flexiblen Räumen für Treffen und Workshops.
• Bewegungsformen & Sport – Wunsch nach geeigneten Bodenbelägen, Umkleiden und ausreichend Deckenhöhe.
• Sonstige Kreative – flexible, bezahlbare Räume mit gemeinschaftlicher Nutzung.
Die Raumbedarfsanalyse 2025 verdeutlicht den weiterhin hohen Bedarf an kreativen und gemeinwohlorientierten Arbeitsräumen in Halle (Saale). Die durch das Freiraumbüro aufgebauten Strukturen – insbesondere die zentrale Koordinationsstelle für Raumvermittlung und die fortlaufend weiterentwickelte digitale Raumplattform – leisten einen wesentlichen Beitrag zur Transparenz, Zugänglichkeit und effizienten Nutzung städtischer Raumressourcen.
Damit diese Errungenschaften nachhaltig wirken können, braucht es jedoch eine deutlich stärker verzahnte Zusammenarbeit innerhalb der Stadtverwaltung. Die Sicherung und Entwicklung kultureller Freiräume ist eine klassische Querschnittsaufgabe, die durch den Fachbereich Kultur, die Stadtentwicklung sowie den Fachbereich Wirtschaft gemeinsam wahrgenommen und angemessen finanziell ausgestattet werden muss. Nur wenn diese Bereiche gemeinsam Verantwortung übernehmen und entsprechende finanzielle Ressourcen bereitstellen, können wichtige Maßnahmen umgesetzt werden – systematische Förderung von Zwischennutzungen, Unterstützung bei Sanierung und Schallschutz, Schaffung innovativer Raumpilotprojekte und Verankerung kultureller Orte in langfristigen Entwicklungsstrategien – und die kulturelle Infrastruktur der Stadt langfristig gestärkt werden kann.